Madeira - die Trauminsel für Motorradfahrer

Die/der etwas erfahrenere Motorradreisende kann sich auf ein Maximum an Fahrspaß freuen, atemberaubende Straßen, die genau das bieten, was sie/er liebt: In erster Linie: Kurven, Kurven und noch mal Kurven. Dann vor allem: teils extreme Höhenunterschiede, die in kürzester Zeit und auf engstem Raum von Meereshöhe bis auf 1818m Höhe führen - der höchste befahrbare Punkt der Insel ist der dritthöchste Gipfel Madeiras, der Pico Arieiro; sagenhafte Blicke über steil abfallende Klippen - das Cabo Girao ist mit 580 m über dem Meer die zweithöchste Klippe der Welt! Blicke in tiefe Schluchten, die manchmal durch das Spiel der oft tiefhängenden und über die hohen Inselberge wabernden atlantischen Wolkenmassen den Charakter von Höllenkesseln annehmen. Dazwischen immer wieder liebliche und beruhigende Impressionen - Fischerorte wie Camara da Lobos, wo heute noch im Hafen unter offenem Himmel Boote nach alten Plänen von Hand mit relativ einfachen Hilfsmitteln gebaut werden. In Machico haben wir Fischern zugesehen, wie sie die bis zu 2000m langen Schnüre für den Fang des in Tiefen zwischen 800 und 1800m lebenden Degenfisch "Espada" zwischen Bäumen aufspannen und mühsam zu handlichen Rollen "aufgarnen". Die Fotografierlaune des "sehenden" Urlaubers wird ständig in hohem Maß befriedigt, was auch bedeutet, daß frau/man sich in der Heimat reichlich mit Filmmaterial eindecken sollte.

Der Charakter und die Lebensart der Madeirenser stimmt den genauen Beobachter nachdenklich, wenn sie/er mit dem Motorrad oder per pedes die Insel durchstreift: Uns vom hektischen Alltags- und Erwerbsleben gestreßte Festlandseuropäer beeindruckt die Ruhe und die Gelassenheit der Menschen, die auf der Trauminsel leben - oder ihr Leben träumen? Vielleicht ist es ein Schuß Phlegma oder "Fado", wie man es auch bei den Portugiesen des Mutterlandes kennenlernen kann. Wir haben auf Madeira die Chance genutzt, um "einige Gänge runterzuschalten". Zum Beispiel zu sehen, wie die einfache und arme Landbevölkerung mit den objektiven Unbilden ihrer steil-terrassierten, oft nur in weiten Fußmärschen zu erreichenden Anbaufelder gelassen und fast ergeben, dabei nicht verhärmt umgehen, stimmte uns oft recht nachdenklich.

Wir erlebten es als äußerst angenehm bei unseren Motorrad-Touren, daß - so chaotisch uns der Verkehr v.a. in und um die Inselhauptstadt Funchal anmutete - kein einheimischer Fahrer drängelte, hupte, fluchte oder uns gar den Vogel zeigte, wenn wir uns in dem etwas unübersichtlichen Straßengeflecht nicht gleich auskannten und den Verkehr behinderten. In den Morgen- oder Abendstunden sitzen oder stehen am Straßenrand viele Menschen und warten am PARAGEM-Schild wohl auf den Überlandbus, vielleicht aber auch nur um aufs Meer hinauszuschauen. Dabei macht es niemandem etwas aus, wenn man wegen eines dieser Wartenden bei Gegenverkehr für eine Weile anhalten muß. Oft unterhalten sich Leute aus einem Auto heraus mit Passanten - keiner regt sich auf, daß der Verkehr auf das Ende des Gesprächs warten muß oder gezwungen ist auszuweichen.
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Allerdings - dies sei zur Vorsicht gesagt - verhalten sich derart stoisch wie die Menschen auf Madeira auch die unzähligen Vierbeiner, in erster Linie liebenswerte, stupsnasige Hundeverschnitte, die die gleiche unbeirrbare Gelassenheit an den Tag legen, wie ihre zweibeinigen Inselmitbewohner. Ausweichen muß in der Regel immer der Motorisierte - nie der Hund.

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