16.
März 2004
Hirsch & Band in Wasserburg gejubelt

Andi Steirer-Julie Loveson-Ludwig Hirsch-Johann
M. Bertl-Manfred Schweng
Nach mehr als zehn Jahren kommt Ludwig Hirsch nach Wasserburg zurück und ihm gelingt das
Kunststück, den etwas streng wirkenden historischen Rathaussaal zum Toben zu bringen. Jedes seiner
Lieder ist wie ein kleiner Film, der eine Geschichte erzählt, aber was den Film
schließlich auf die Erfolgsspur leitet, sind Hirschs Glaubhaftigkeit und die spürbar
lebendige Energie seiner musikalischen Gefährten.
Insgesamt ist die Band mehr dem leichtlebigen Pop als den ernsten Balladen verpflichtet,
doch Hirsch kann an die gewöhnten "dunkelgrauen" bis "nachtschwarzen"
Perlen nicht verzichten. Dass es nicht zu ernst wird, dafür sorgen schon die schrägen
Töne, ob es nun um "die Gelse" - d.h. die Mücke - oder um den
"Killer" geht.
Der "Killer" ist eine der "neuen Perlen" und mal wieder das, was man
"typisch Ludwig Hirsch" nennen kann. Die Geschichte handelt von einem
Expolizisten, der nun als Profikiller arbeitet und der "betreffenden Person" vor
der "Liquidierung" immer ein kitschiges Gedicht von sich vorträgt. Mit den
Männern nimmt er einen Drink, bevor er seinen Job erledigt, denn "Prost spendet
Trost" - so Hirsch.
Vermisst habe ich beim Konzert wenig: etwa "Miss Burgenland", den
"Zwerg" und "Herr Haslinger". Alles in allem ein gelungener Musikabend. Der österreichsche Alt-Barde schafft es, durch seine theatralischen,
aber auch oft nachdenklichen Zwischenmoderationen das Publikum perfekt auf die
Stimmung seiner Titel einzustimmen. Seine Poesie ist immens expressiv und zeugt von
höchster Klarheit, ob er mal wieder von der "Omama" und von "Jonas"
erzählt oder über die "Tante Marie" und über "Sternderln schaun" blödelt/sinniert.
Nach einem Wiedersehen mit dem "Schweinderl" wurde schließlich "Komm,
Großer, Schwarzer Vogel" als letzte Zugabe vorgetragen. Dann gingen alle begeistert
hinaus in die Vorfrühlingskälte.
Peter
Patti
Schimmernde und glänzende Perlen
Ludwig Hirsch begeistert in Rosenheim
Unexaltiert steht da einer auf der Bühne im Rosenheimer Kultur- und Kongresszentrum und
singt vom Leben, der Liebe und dem Tod. Erzählt Geschichten, die immer sehr nahe an der
Wahrheit sind. Die Rede ist von Ludwig Hirsch.
Ein Poet, der sich manchmal auf philosophische Höhen schwingt, um danach noch
bodenständiger und klarer zu sein. Auf der Bühne unterstützen ihn der Gitarrist Johnny Bertl, der bereits seit 1980 sein Produzent und Arrangeur
ist, der Bassist Manfred Schweng, der seit 1991 mit an Bord
ist, die Keyboarderin Julie Loveson, die zum ersten Mal mit
Hirsch auf Tournee ist, und der Klangkünstler Andi Steirer,
seit 17 Jahren zuständig für die Rhythmik. Mit sonorer, warmer Stimme erklärt Hirsch zu
Beginn seines Konzerts den Namen seiner neuen CD «Perlen». Musikalische Schätze, die er
zum Klingen bringen möchte. Jede dieser Perlen hätte eine andere Farbe - von Rosarot
über Himmelblau bis hin zu Nachtschwarz. Und er hat nicht zu viel versprochen, denn
danach folgen Liebes- auf Galgenlieder. Nicht nur die Texte variieren, sondern auch die
musikalischen Stilrichtungen. Locker und stimmig wechseln sich volkstümliche Klänge und
Popelemente, rockige Töne und sanfte, einschmeichelnde Melodien ab. Nicht ein Stück
gleicht dem anderen. Verstärkt wird dieser Eindruck durch den variantenreichen Einsatz
der Percussions. Hirsch unterlegt jedes Lied mit einem fantasievollen Klangteppich.
Manchmal ist nur ganz fein ein Ton zu hören, manchmal klingt dieser vorwitzig durch und
manchmal zieht er die ganze Aufmerksamkeit auf sich, so wenn der Musiker seinen Körper
klingen lässt, indem er auf Bauch und Oberschenkel trommelt.
Trotzdem tritt der Text nie in den Hintergrund, sondern wirkt doppelt. Hirsch ist
süffisant, morbid, poetisch und romantisch zugleich. Er wird zuweilen bissig und
sarkastisch. Oder schildert das Leben eines Auftragsmörders in «Der Killer». Oder gibt
einfache Lebensweisheiten zum Besten: «Das Leben ist ein Floh - beißt und zwickt.»
Auf Lichteffekte verzichtet der Musiker weitestgehend. Passend zur jeweiligen Farbe der
Perle, die er ankündigt, ist die Bühne in kaltes Meerblau getaucht, schimmert in warmen
Rottönen oder blendet in gleißendem Weiß. Mal noch ein Trenchcoat oder eine Pistole,
mal noch ein Dreher mit Barhocker - das ist der Luxus, der sich dem Auge bietet.
Sehr zur Freude seiner zahlreichen Rosenheimer Fans packt er zwischendurch auch immer
wieder ein paar Klassiker aus, wie «Die Omama», «Der Wolf» und «Spuck den Schnuller
aus». Applaus bei den ersten Akkorden und großer Beifall am Schluss sind die Folge.
Lisa Sommerauer in der Wasserburger Zeitung, 1.10.2003
Andere Rezensionen
| (Konzert-Rezension aus dem Jahr 1998) Dunkelgrau war
es draußen, dunkelgrau waren auch seine Lieder. Ludwig Hirsch,
zeitloses Relikt der 70er Jahre Austropop-Szene, verzaubert noch immer mit seiner tiefen
Stimme und ein paar Gitarren-Akkorden das Publikum. Das Konzert war bereits seit Tagen
ausverkauft und keiner der knapp 400 Besucher hatte sein Kommen an diesem kalten
Novemberabend bereut. Mit seinem langjährigen Partner und Wegbegleiter Johnny Bertl spielte Hirsch unplugged, wie das
heutzutage Mode ist, aber am ehesten zu seinen Liedern paßt... |
Ludwig Hirsch hat das
Publikum fest im Griff. Er lockert mit schrägen Sachen wie "Bitte nicht
Küssen", er zieht die Schraube wieder an mit dem "Dorftrottel" und - er
dosiert sich selbst ganz genau. Auf der Bühne mit einem "heruntergefallenen"
Kronleuchter als einzigem, aber gekonnt mitspielendem Requisit, haben Hirsch und Bertl die
Lage sofort wieder unter Kontrolle. Bei "Spuck den Schnuller aus" wird man 1999
nachdenklicher als 1979, vom Öko-Lied über die Wale ganz abgesehen. (OÖ
Nachrichten)
... Gewissermaßen 'hautnah' war es, das Konzert im ausverkauften
Prinzregenttheater. Ludwig Hirsch pur, intim und in
Zimmerlautstärke.
... Mit der gebrochenen Poesie, den makaberen Kipp-Effekten und dem Schmäh dieser Lieder
schafft Hirsch eine ungewöhnlich dichte Atmosphäre des Ganz-genau-Lauschens im Saal. (Süddeutsche Zeitung) |

(Der Standard, 1988)
Ludwig Hirsch intim: 'Dunkelgrau' hat immer Saison
Bitter-böse Lieder im Wiener Metropol 'unplugged' vorgetragen.
Wien - Die legendäre "Omama" eröffnete den bitter-bösen Reigen: Ludwig Hirsch hat sich zum 20jährigen Jubiläum der Dunkelgrauen
Lieder zurück zu seinen Wurzeln begeben. Im Wiener Metropol präsentierte
sich der Künstler zusammen mit seinem Gitarristen Johann M.
Bertl "unplugged". Im Mittelpunkt der intimen Vorstellung standen die
alten, immer noch aktuellen Songs - von "I lieg am Rucken" über "Die
gottverdammte Pleite" bis zum "Wolf". Hirsch versteht es wie kein anderer
Liedermacher, Geschichten als skurrile Mischung aus Mahnung, Humor und Träumerei
aufzubereiten.
Das Programm der aktuellen "Dunkelgrau"-Tour bietet die Klassiker ("Spuck
den Schnuller aus") sowie neuere, nicht weniger "schwarze" Beiträge
("Die Hand"). Harter Stoff wie "Der Dorftrottel" oder "Der Herr
Haslinger" trifft selbst nach zwei Dekaden direkt den Nerv. Leichte Modifikationen
mancher Zeilen schaffen zeitgemäße Bezüge. Dunkelgrau bringt
die Qualitäten von Ludwig Hirsch auf den Punkt: Statt mit dem Finger zu zeigen, regen
seine Beiträge zum Nachdenken an. Die Charaktere in den Liedern sind aus dem Leben
gegriffen, die Szenarien und Stimmungen typisch für dieses Land. Der dunkelgraue Humor
und das permanente Augenzwinkern verhindert ein Abdriften in von manchen Kollegen in die
Auslage gestellter "Betroffenheit". Und damit schießen die Pointen erst recht
ins Schwarze. (Wolfgang Hauptmann / APA)

| Die Zuhörer sind gefangen, hypnotisiert. Sie
klatschen, lachen, sind auf Befehl still. Ludwig Hirsch, ein
Künstler, ein guter Zauberer, ein versteckter Gaukler, ein noch besserer Theaterspieler. (Außerferner Nachrichten) |
Der Meister des schwarzen Humors Wiener Prägung reiht skurrile
Szenen aneinander. Ein Bräutigam erhält auf seinen Antrag die Hand der Erwählten in
einem Schuhkarton. Lachen befreit - auch wenn einen zuweilen graust. Mit seinen
"dunkelgrauen Liedern" pendelt Ludwig Hirsch
zwischen Musik, Hörspiel und Theater. Der Mann, der sich selbst gern als
"Träumeerzähler" bezeichnet, läßt die Frage nach dem Genre offen. Hirsch
präsentiert in die Rampe sein Programm mit der Disziplin eines Schauspielers, erzählt
mit hypnotisch weicher Stimme, singt die wenigen Gesangspassagen mit überzeugender
Inbrunst. Den Publikumskontakt sucht er nur selten. (Stuttgarter
Nachrichten)
Ludwig Hirsch
trifft jedes Wort, da sitzt jede Pointe, stimmt jede Geste. Ein Liebeslied beschließt den
Reigen, ehe der "Große schwarze Vogel" in andere Gefilde flieht. (Kurier, Wien)
|

Das Publikum kennt diesen Ton, der so anregend zwischen morbider
Melancholie, schwarzem Humor, Sarkasmus und Zärtlichkeit hin und her schwankt. Doch kaum
einmal war er so eindringlich wie an diesem Abend, an dem Hirsch sonorer Sprechgesang
zuweilen in eine kinderliedhafte Naivität übergeht, die sofort abstürzt in einen
dunkelgrauen Schrecken, in einen makabren Scherz, in eine literarische List, wie sie ja
auch die Wiener Feuilletonisten von Altenberg bis Qualtinger geliebt haben.
Am Ende sind es an diesem Abend dann aber doch fast zweieinhalb fabelhafte Konzertstunden
geworden.
(Stuttgarter Zeitung)
Da steh'n wir jetzt
am Stammersdorfer Friedhof...
Schon mit der ersten Zeile des ersten Liedes "Die Omama" gelang es Ludwig Hirsch, das Publikum in der Bayreuther Stadthalle in seinen
Bann zu ziehen. Er, der immer Träumeerzähler werden wollte, nahm mit seiner sanften,
dialektgefärbten Stimme Besitz von seinen Zuhörern, berichtete ihnen von der
Würmergang, vom Herrn Haslinger oder vom Peterle.
... Eigentlich muß gar kein Raumschiff mit Außerirdischen landen, die uns einen für
immer glücklich machende Musik bringt. Zumindest nicht, solange es Ludwig Hirsch, Johann
M. Bertl und die dunkelgrauen Lieder gibt.
(Nordbayrischer Kurier)
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Ludwig Hirsch: Dunkelgrau
- Live! (1999). Universal Music. 2CD 547 870-2
"Zwanzig Jahre alt sind sie geworden, die
dunkelgrauen Lieder. Und so haben mein Freund Johnny und ich beschlossen, diesen
Geburtstag auf ganz spezielle Weise zu feiern, nämlich uns in die Zeit der Anfänge
zurück zu versetzen, um so wie damals einen Abend, einen dunkelgrauen Abend zu gestalten.
Ohne großen technischen Aufwand, zimmerlautstark, hautnah zum Publikum und mit
hoffentlich viel Atmosphäre, wie es sich für eine intime aber wichtige Geburtstagsfeier
geziemt." |
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"Perlen"
nennt Ludwig Hirsch seine Lieder. Zu Recht, wie ich finde.

Die neue CD von Ludwig Hirsch, In Ewigkeit Damen ist seit vier Jahren das erste Studioalbum. Ein Hommage an "Berta", "Rebekka", "Adelaide", "Elisabeth", "Marie", "Desireh"... und an die Schizophrenie der Liebe. Dunkelgrau wie je und eh - aber es darf geschmunzelt werden. Typisch Hirsch!

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